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Term english
Marbled paper
Term german
Buntpapier
Definition german
Buntpapier ist grundsätzlich jedes Papier, das auf einer oder auf beiden Seiten ein- oder mehrfarbig gemustert ist. Papier, das bereits während der Herstellung durchgehend gefärbt wird, gehört nicht dazu. Die als Sammel- und Forschungsobjekt begehrtesten Buntpapiere stammen aus der Zeit vor 1800. Doch auch spätere Papiere sind reizvoll, denn abgesehen von ihren attraktiven Mustern sind sie oft in handwerklichen Originaltechniken gefertigt und weisen Strukturen und Feinheiten auf, die drucktechnisch nicht zu erzielen sind. Buntpapiere finden sich im Zusammenhang mit Büchern als Vorsatz, als Bezugsstoff für Einbände, Schuber und Schatullen oder als Umschlag für Broschuren. Es gibt zwar zeitliche und regionale Vorlieben für bestimmte Muster und Techniken, in der Verwendung für die Buchausstattung sind die Grenzen aber fließend. Auch alte Techniken werden immer wieder aufgegriffen. Die Benennungen richten sich überwiegend nach dem Aussehen und den Herstellungsmethoden. Die einfachste Form stellen die gestrichenen Buntpapiere dar. Wird die Farbe mit Kleister vermischt so aufgetragen, dass Strichspuren von Pinsel oder Bürste bzw. bei einem Schwammauftrag dementsprechende Strukturen sichtbar bleiben, spricht man von Kleisterpapier. Die Strichspuren können geradlinig oder in Wellen verlaufen, mit einem Schwamm lassen sich auch „wolkenförmige“ Muster erzeugen. Die speziell als Wolkenmarmor bezeichnete Form des Kleisterpapiers entsteht jedoch auf andere Weise. Dazu werden zwei frisch mit Farbe bestrichene Bogen gegeneinander gedrückt und dann wieder abgezogen. In die frische Kleisterfarbe können mit Finger, Holzstab, Kamm, Holzmodel und sonstigen Stempeln (negative) Muster eingezeichnet werden. Zu dieser Art gehören die nach ihrem Herstellungsort (1793–1824 in der Werkstatt der evangelischen Schwesterngemeinschaft Herrnhut) benannten Herrnhuter Papiere mit vielfältigen geometrischen Mustern. Im 18. Jahrhundert waren (einfarbige) Glanzpapiere beliebt, bei denen die Glanzwirkung durch einen Gelatineauftrag nach dem ersten Trockenvorgang zustande kam. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts experimentierte man zudem häufig mit Oberflächenveredelungen. Manchmal wurde durch Prägen und Stanzen ein Moiréeffekt erzielt, je nach Lichteinfall entstanden in den feinen Strukturen vielfältige Farbnuancen. Durch Auftragen von Fischschuppen oder Glimmerblättchen schuf man Perlmuttpapiere. Ganz schlicht sind dagegen die auf Buchdeckeln (in der zweiten Hälfte des 18. und am Beginn des 19. Jahrhunderts) häufig anzutreffenden gesprenkelten Buntpapiere (Spritzpapiere). Sie haben einen einfarbigen Grund und ein aufgespritztes (gesprenkeltes) Muster aus einfachen Farbspritzern. Dazu zählt das Kiebitzpapier. Es wird so genannt, weil es einem Kiebitzei ähnelt (dunkles Sprenkelmuster auf sandfarbigem Grund). Die gebräuchlichsten, dunkel gesprenkelten Papiere auf ockerfarbigem Grund konnten von den Buchbindern leicht selbst hergestellt werden und waren dementsprechend weit verbreitet, zumal sie große Ähnlichkeit mit dem besonders in Frankreich beliebten ebenfalls gesprenkelten Kalbsleder hatten. Zu den Spritzpapieren gehört darüber hinaus das Gustav-Marmor, bei dem mit Säure versetzte Farbe auf farbigen Kleister­grund relativ dicht aufgespritzt wird. Durch die Säure wird die Farbe in den Spritzern zum Rand hin getrieben. Dieses Buntpapier mit glänzender Ober­fläche kann man maschinell herstellen. Als Bezugs­papier von Buchdeckeln, aber auch sehr häufig als Vorsatz verwendete man marmorierte Papiere (auch: Tunkpapier, Marmorpapier, Türkisch Papier, „Ebru“). Diese tauchen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts aus der Türkei kommend in Deutschland auf. Die Technik unterscheidet sich grundsätzlich von allen anderen Herstellungsarten, da der Farbauftrag und das Muster zunächst auf dem Schleimgrund erzeugt und dann nur vorsichtig mit einem angefeuchtetem Papierbogen „abgehoben“ werden. Der Schleimgrund wurde zunächst nur aus Tragant bereitet, ein pflanzlicher Stoff, der in Wasser stark quillt und einen zähen Schleim ergibt, dann zunehmend, da preiswerter und leichter verfügbar, aus ­Carraghen-Moos, einer Tangart. Auf diesen Grund werden die Farben schwimmend in Tröpfchen- oder Streifenform aufgetragen. Die Fließeigenschaft der Farben wird meist durch Zugabe von Ochsen- oder Fischgalle so verändert, dass sie sich nicht vermischen, sondern durch Ausbreitung und Verdrängung zufällige, nur in gewissem Rahmen beeinflussbare Muster entstehen. Geschickte Marmorierer konnten ihren Mustern das Aussehen von Blumen (z.B. Tulpenmuster) geben oder gar regelrechte Bilder erzeugen. Je nach entstandenem Muster gibt es differenzierte Bezeichnungen für das marmorierte Papier: Kamm-Marmor, Schneckenmarmor, Granit-Marmor (kleine „blasenartige“ Muster), Achatmarmor (großflächigere „blasenartige“ Muster). Wolkenmarmor und Gustav-Marmor werden anders hergestellt (s.o.). Die Marmoriertechnik eignet sich auch zum Verzieren anderer Oberflächen; häufig ist etwa ein marmorierter Buchschnitt zu finden. Bronzefirnis-Papiere haben einen einfarbig gestrichenen Grund (in seltenen Fällen mehrfarbig), auf den das Muster vom Holzmodel mit Goldbronze versetztem Firnis gedruckt wurde. Der Druck mit diesen Farben ist schwierig, die Linien wirken relativ weich, oft leicht verschmiert oder sie haben ein körniges Aussehen. Sie hatten nur eine kurze Blütezeit von ca. 1690–1720. Mit dem Aufkommen der Lithographie im 19. Jahrhundert und später des Offsetdrucks gibt es aber wieder Papier mit ähnlichem Aussehen. Weitaus klarer und stabiler sind Brokatpapiere (auch Goldbrokat oder Augsburger-Papier genannt). Bei ihnen wurde das Muster (manchmal auch als Negativ) mit Blattgold oder anderem Blattmetall aufgedruckt. Sie gehören zu den edelsten Buntpapieren. Ihre Blütezeit lag um 1720, und im Gegensatz zu anderen Buntpapieren findet man bei ihnen recht häufig Herstellerangaben. In dieser Technik wurden auch viele Motivbogen (Heiligenbilder, Blumen, Tiere, Jagdszenen, Kostümbilder etc.), aber durchaus auch streng geometrische Ornamente angefertigt. Obwohl für die Druckformen Kupfer- oder Messingplatten verwendet wurden, handelt es sich nicht um ein Tiefdruck-, sondern um ein Hochdruckverfahren. Durch den hohen Anpressdruck unter der Walzenpresse wurde das Blattmetall fest mit dem Papier verbunden, überstehende, nicht zum Muster gehörende Teile konnten danach abgebürstet werden. Durch zusätzliche leichte Schraffierung oder durch Punzen konnte im Blattmetall eine Prägestruktur erzielt werden. Als Grund war auch hier einfach gestrichenes Papier beliebt, jedoch ist auch mittels Schablonen mehrfarbig vorkoloriertes „patroniertes“ Papier ebenso zu finden. Wurde das Metall nicht als Muster, sondern großflächig aufgetragen, entstanden Metallpapiere. Auch sie bauen auf einem Leim- oder Kleisterfarbgrund auf. Sehr beliebt waren Grün oder ein Orangeton, dem zur verbesserten Haftung eventuell noch Eiweiß beigemischt war. Darauf wurde Blattmetall (Messing = Gold, Zinn = Silber) aufgelegt und mit der Walzenpresse angedrückt. Bei Broschuren aus solchen Papieren findet man oft erhabene (von der Rückseite her ausgeführte) Titelprägungen. Eine große Gruppe sind die Holzmodel- bzw. Kattunpapiere (Kattun = Cotton = Baumwolle). Sie wurden mit Holzmodeln (die für Stoffdruck nicht mehr brauchbar waren und billig erworben wurden) und Kleisterfarbe mehrfarbig gedruckt. Die Zahl der Muster und der Hersteller ist bei diesen Papieren sehr groß, vor allem zwischen 1750 und 1800. Besonders häufig sind Blumen­muster. Um eine Sonderform ­ handelt es sich bei Samt- oder Velourspapier. Solche Papiere mit einer samtartigen Farbschicht entstehen, wenn die Fläche geleimt bzw. das Muster ohne Farbe mit Leim aufgetragen und dann sofort mit farbigem, faserigem Material (häufig wurde Wollstaub verwendet) bestreut wird. Eine weitere Gruppe sind die Imitationspapiere, die durch Färbung und Prägung andere Werkstoffe (Schlangenhaut, Krokoleder, Holzmaserung, Vogelfedern etc.) imitieren. Hierzu gehört auch das Maroquinpapier, ein farbiges, stark glänzendes, durch Narbenprägung lederähnliches Papier. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde erneut viel experimentiert und es gibt wohl kaum eine Technik, mit der man nicht versuchte, Buntpapier herzustellen. Von Kunsthandwerkern oder auch namhaften Künstlern handbemaltes Buntpapier (z.B. mit Batiktechniken oder Pochoir­kolorit) fand bei kleinen und kleinsten Auflagen außerhalb der regulären Verlage Verwendung. Halbindustriell gefertigte Kleisterpapiere, geknitterte und in Farbe getauchte Papiere und eine Vielzahl gedruckter Buntpapiere wurden sogar bei großen Buchproduktionen verwendet. Die Pappbände der Insel-Bücherei sind typische Vertreter. Durch Einfügen zusätzlicher Arbeitsschritte und Verwendung besonderer Farben (besonders Metallfarben) sind selbst bei den maschinell gedruckten Papieren be­sondere Effekte zu erzielen. Der Anwendungsbereich von Buntpapier geht weit über das Buchgewerbe hinaus.
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