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Kainbacher Bibliophiler Salon February '19

decoration23 Fév. 2019

Der Bibliophile Salon im Antiquariat Kainbacher - 2 Vorträge am 23. Februar 2019

 

Erlösung statt Befreiung? 

Sklavenkinder aus Ägypten und dem Sudan in österreichischen Klöstern um 1850

17.00   Prof. Dr. Walter Sauer

 

Auf Österreich(-Ungarns) Spuren in der Levante

19.00   Dr. Elmar Samsinger

Erlösung statt Befreiung?  Sklavenkinder aus Ägypten und dem Sudan  in österreichischen Klöstern um 1850

Prof. Dr. Walter Sauer

In nicht wenigen österreichischen Frauenklöstern finden sich Spuren von afrikanischen Mädchen, die in den 1840er Jahren von italienischen Missionaren dorthin gebracht worden waren. Bei akribischen Recherchen sind Forscherinnen und Forscher aus Deutschland und Österreich auf ein zum Teil kriminelles Netzwerk gestoßen. Woher kamen die Kinder, was war ihr Schicksal in Europa? Ein Arbeitsbericht.

Walter Sauer ist Professor am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Wien mit Schwerpunkt Beziehungen zwischen Österreich und Afrika in Kolonialpolitik, Migration und Kulturaustausch.


Auf Österreich(-Ungarns) Spuren in der Levante - 19.00   Dr. Elmar Samsinger

Wenn ein Reisender, Forscher oder Missionar aus der Donaumonarchie sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufmachte das Morgenland zu bereisen, waren seine ersten Schritte einfach: er kaufte sich eine Eisenbahnfahrkarte nach Triest und fuhr dann mit einem der eleganten Dampfer des Österreichischen Lloyd nach Konstantinopel, Smyrna, Beirut, Jaffa oder Alexandria. Dort erwartete ihn vorerst noch nicht das gefährliche Abenteuer, zu dem er aufgebrochen war. In diesen levantinischen Hafenstädten gab es nämlich mehr oder weniger große Österreicher-Kolonien mit Konsuln, Handelskammern, Schulen, Krankenhäusern, Kaufhäusern und Gastwirtschaften. In den Häfen lagen regelmäßig nicht nur Handelsschiffe, sondern auch Kriegsschiffe der k.(u.)k. Marine mit denen der Kaiser Flagge zeigte, aber auch Kanonenbootpolitik betrieb. Seine Briefe in die Heimat übergab er k.k. Levante-Postämtern, die Piaster-Briefmarken trugen das Bildnis Kaiser Franz Josephs

Vorort konnte der Reisender auch interessante Migranten aus dem Habsburgerreich treffen, in Konstantinopel etwa einen ungarischen Grafen, der die Berufsfeuerwehr am Bosporus aufbaute oder einen 1848er-Flüchtling, der den Roten Halbmond mitbegründete. In Jerusalem bot ihm das Österreichische Hospiz Zur Heiligen Familie oft für Wochen und Monate die letzte bequeme Unterkunft. In der Hospizkapelle konnte er auf einem Mosaik Kaiser Franz Joseph als König von Jerusalem bewundern.

In Alexandria, Kairo oder Port Said stieß er in einer Bierhalle vielleicht mit österreichischen oder ungarischen Richtern und Delegierten der Internationalen Gerichte und Staatsschuldenverwaltungen, aber auch mit hohen Offizieren und Admirälen auf das Wohl des fernen Kaisers an – natürlich mit Steirischem oder Wiener Bier. Dabei durfte er sich nicht wundern, dass sie alle Feze trugen, welche allesamt aus Böhmen importiert wurden, standen die Staatsdiener doch alle im Sold des Khediven. Die Österreicher waren beliebt im Land am Nil, war der Khedive Abbas II. Hilmi doch mit einer ungarischen Gräfin verheiratet und umgab sich vom Kipferlbäcker bis zum Privatsekretär mit Wirtschaftsmigranten aus der Habsburgermonarchie. Und in der einen oder anderen Kirche in der Levante fand der Reisende oft eine Inschrift, ein Altarbild oder Kerzenleuchter, die der Kaiser 1869 oder Erzherzoge und –innen auf ihren zahlreichen Orientreisen gespendet hatten. 

Sobald der Reisende, Forscher oder Missionar sich jedoch nur wenige Kilometer von den Oasen westlich-orientalischer Zivilisation fortbewegte, war es vorbei mit Sicherheit und Komfort: Sand, Beduinenräuber, Pest und Cholera waren ab nun die ständigen Begleiter. 

 

informations

DATE
23 Fév. 2019
ADRESSE
Eichwaldgasse 1
A-2500
VILLE
Baden
( AUSTRIA )
ORGANISÉ PAR
Antiquariat Dr. Paul Kainbacher
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