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Kainbacher Bibliophiler Salon June '19

decoration15 June 2019

Der Bibliophile Salon im Antiquariat Kainbacher - 2 Vorträge am 15. Juni 2019

 

Prof. Dr. Hermann Mückler   (17h00)

Die Welt im Sammelalbum – Die Darstellung europäischer Kolonialgeschiche im zeitgenössischen Populärmedium des (Reklame-)Sammelbildes mit Beispielen aus Ozeanien"

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Reklame-Sammelbild, oder „Kaufmannsbild“ zu einem populärem visuellen Medium, welches aufgrund der Tatsache, dass die Darstellungen qualitativ hochwertig und bunt waren, bei Jung und Alt große Beliebtheit errang. Die zahlreichen Bilderserien, die schon bald nicht nur der Reklame dienten, eröffneten ein kostengünstiges Fenster in die damalige moderne und weite Welt, und zeichneten sich durch großen Variantenreichtum aus. Insbesondere die überseeische Welt, und hier vor allem die Kolonien der europäischen Mächte, stellten ein beliebtes Sujet dar. 

Anhand zahlreicher ausgewählter Beispiele – insbesondere aus Ozeanien –  gibt der Vortragende Einblick in ein historisches Medium, thematisiert die damaligen drucktechnischen Möglichkeiten und beleuchtet Exotismus, koloniale Herrschaftsansprüche und die Entstehung sowie Verbreitung von Klischees über fremde Völker und Kulturen. Zu Ende des 19. und im frühen 20. Jahrhundert wurde mittels der in den Kaufmanns-, Zigaretten- und Automatenbildern transportierten Botschaften konkret für koloniale Ambitionen geworben und die Superiorität der europäischen Zivilisation gegenüber den indigenen, kolonisierten Menschen hervorgehoben.

 

Hermann Mückler, Jahrgang 1964, ist Professor für Kultur- und Sozialanthropologie (Ethnologie) am gleichnamigen Institut de Universität Wien und beschäftigt sich insbesondere mit (ethno-)historischen und politischen Themen zur Großregion Asien-Pazifik,  insbesondere zur Pazifischen Inselwelt (Ozeanien). Er ist Präsident der Anthropologischen Gesellschaft in Wien und Vizepräsident des Instituts für vergleichende Architekturforschung sowie des Dachverbands aller österreichisch-ausländischen Gesellschaften. Zahlreiche (Buch-)Publikationen; jüngst erschien ein vierbändiges Werk zur Kulturgeschichte Ozeaniens, der Sammelband "Österreicher in der Südsee"  sowie das biographische Nachschlagewerk: "Missionare in Ozeanien. Pioniere, Forscher, Märtyrer".

E-mail: hermann.mueckler@univie.ac.at; Website: www.hermann-mueckler.co

Prof. Dr. Celal Sengör     (19h00)

 Ein Österreicher entdeckte in Afrika wie Kontinente zerbrechen

Viele Expeditionen während des 19. Jahrhunderts besuchten Ostafrika hauptsächlich mit zwei Zielen: 1) Die Quellen des Nils zu finden und 2) geeignete Areale für Kolonisation zu rekognoszieren. Ein unerwartetes Nebenergebnis solcher Reisen war die Entdeckung des Ostafrikanischen Trogsystems, das von dem Roten Meer bis zu Südafrika reicht. Die meisten Entdecker haben über die Entstehung dieser merkwürdigen Struktur wenig gedacht und einige abenteuerliche Erklärungsversuche hatten in der wissenschaftlichen Welt keine Beachtung gefunden. Erst die kleine österreichisch-ungarische Expedition vom Grafen Sámuel Teleki und Linienschiffsleutnant (später Konter-Admiral ad honores i. R.) Ludwig Ritter von Höhnel in nördlichen Kenya und Südethiopien in den Jahren 1886-1889 sehr genaue topographische und geologische Daten zurückgebracht und diese wurden durch Eduard Suess und seine Mitarbeiter und Schüler in der Wiener Universität bearbeitet. Dadurch bemerkte Suess, dass die gesamte Struktur eine Zerrungserscheinung war und er verglich sie mit dem Oberrheingraben in Deutschland und Frankreich. Suess schrieb, dies wäre “Zerrung durch Kontraktion”. Fast niemand verstand damals was er dabei meinte. Erst in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde es klar was der grosse Meister im Kopf hatte. Jetzt betrachtet man in Afrika das grossartigste Beispiel von dem Zerbersten eines Kontinents und die Öffnung eines Ozeans. Im Wonji Abschiebungsgürtel in Ethiopien sehen wir heute die allerersten Etappen der Öffnung eines Ozeans durch Ganginjektion entlang der Grabenaxe.

 

Prof. Dr. Dr. h. c. mult. A. M. Celâl Şengör, geboren am 24. März 1955 in Istanbul, ist Geologe. Er ist Professor an der Technischen Universität Istanbul. Er befasst sich insbesondere mit Tektonik und der Rekonstruktion der historischen Plattentektonik von Asien. 1988 wurde er Ehrendoktor der Université de Neuchâtel. 1984 erhielt er den President’s Award und 1999 die Bigsby Medal der Geological Society of London. 2000 wurde er Mitglied der National Academy of Sciences und er ist Mitglied der Academia Europaea und der türkischen Akademie der Wissenschaften (TUBA), außerdem ist er Mitglied in der American Philosophical Society. Er ist Mitherausgeber von Tectonophysics, Journal of Structural Geology, Tectonics, Eclogae Geologicae Helveticae, Geologia Balcania. Şengör besitzt eine über 30.000 Bände umfassende Privatbibliothek zum Thema Geologie. 2010 erhielt er die Gustav-Steinmann-Medaille, wobei in der Laudatio besonders hervorgehoben wurde, dass er wie kein anderer mit den Ideen der Plattentektonik die Tektonik von Asien von Émile Argand neu belebt hätte. Im Jahr 2012 wurde er zum Mitglied der Leopoldina gewählt. Seit 2016 ist er Mitglied der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin. 2017 wurde Sengör Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Wien. Für 2018 wurde Şengör die Arthur Holmes Medal der European Geosciences Union zugesprochen.

 

Prof. Dr. Dr. h. c. mult. A. M. Celâl Şengör

Istanbul Technische Universität

Abteilung für Geologie, Bergwerksfakultät

und das Institut für Erdwissenschaften Eurasien

Istanbul, Türkei

sengor@itu.edu.tr

information

DATE
15 June 2019
ADDRESS
Eichwaldgasse 1
A-2500
CITY
Baden
( AUSTRIA )
ORGANIZED BY
Antiquariat Dr. Paul Kainbacher
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