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Children’s Books 1945 to 1960 - A Catalogue by Winfried Geisenheyner, Reviewed by Friedrich C. Heller

Children's books are not only for children. They enable us to look at a period in history from a children's point of view. Children's books printed in Germany from 1945 to 1960, for example, show how the world was in post war Germany, which was separated in East and West, and where also the children had to learn to live under the new conditions determined by the history of the half of the 20th century, and especially by World War II and its consequences. Friedrich C. Heller, who won the Second ILAB Breslauer Prize for Bibliography in 2010 for his outstanding work „Die bunte Welt. Handbuch zum künstlerisch illustrierten Kinderbuch in Wien 1890-1938", reviews a brand new catalogue published by the German antiquarian bookseller Winfried Geisenheyner: Kinder- und Bilderbücher von 1945 bis 1960 - Children's Books 1945 to 1960. This and other catalogues by ILAB dealers can be downloaded from the ILAB website.

Published on 12 Oct. 2012

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Children’s books are not only for children. They enable us to look at a period in history from a children’s point of view. Children’s books printed in Germany from 1945 to 1960, for example, show how the world was in post war Germany, which was separated in East and West, and where also the children had to learn to live under the new conditions determined by the history of the first half of the 20th century, and especially by World War II and its consequences. Friedrich C. Heller, who won the Second ILAB Breslauer Prize for Bibliography in 2010 for his outstanding work „Die bunte Welt. Handbuch zum künstlerisch illustrierten Kinderbuch in Wien 1890-1938”, reviews a brand new catalogue published by the German antiquarian bookseller Winfried Geisenheyner: Kinder- und Bilderbücher von 1945 bis 1960 - Children’s Books 1945 to 1960.

This and other catalogues by ILAB dealers can be downloaded from the ILAB website.


Kinder- und Bilderbücher von 1945 bis 1960


Ein neuer Antiquariatskatalog von Winfried Geisenheyner, rezensiert von Friedrich C. Heller


In einem Interview mit Daniel Osthoff (in Heft 5/2012 der Zeitschrift "Aus dem Antiquariat") äußert dieser die Überzeugung, dass die Antiquare heute (in Zeiten des Internets) "mehr denn je auf den Kunden zugehen" müssten, und dass dies mit den "traditionellen Mitteln wie Kataloge, Listen, Messen" am deutlichsten und effektivsten funktioniere.

Der hier besprochene Katalog 80 des Antiquariats Geisenheyner kann das auf schönste Weise belegen. Geisenheyner hat sich durch die Jahre, bei selbstverständlich auch kluger Nutzung der Internet-Möglichkeiten, nicht abhalten lassen, regelmäßig Kataloge und "Bulletins" zu versenden, und er belebt damit die Verbindung zu seinem weltweiten Kundenkreis stetig und informativ und (so muss man es nämlich auch sehen!) mit individuellem Mitteilungsdesign, das sich von dem uniformen und wenig überschaubaren Internet-Angebot so vieler Anbieter deutlich unterscheidet. Schon das Äußere dieses Katalogs, mit über 500 farbigen Abbildungen, auf gutem Papier gedruckt, erfreut – und wie viel mehr noch dann der Inhalt!

Schon in einigen vergangenen Katalogen hat Geisenheyner Bücher aus der Nachkriegszeit angeboten (so in Katalog 66, Winter 2005), aber so kompakt, gleichzeitig in so reicher Fülle, und – darauf kommt es an! – mit so vielen inhaltsreichen Kommentaren versehen, das macht diesen neuen Katalog fast zu einer Art Handbuch. Hier sind in 831 Nummern (zuzüglich eines Anhangs "Bibliographie – Sekundärliteratur") deutschsprachige Kinderbücher, vor allem Bilderbücher aus Deutschland, aus der Nachkriegszeit vorgestellt. Damit öffnen sich vielfältige Blicke in die Kinderbuch-Welt jener schwierigen Jahre, in denen die Wunden der inneren und äußeren Zerstörung in der Realität zwar sicht- und spürbar, in den Büchern für die Kinder aber möglichst verdeckt, weggedacht, übertüncht wurden.

In kenntnisreichen und detaillierten "Beobachtungen" charakterisiert Andreas Bode im Vorwort des Katalogs diese Situation, vor allem im Hinblick auf die illustrative Seite der Kinderbücher, auf die je eigene Weise, wie die Bilderwelt auf die politische, soziale, kulturelle Zeitsituation reagierte. Eben diese offenen und versteckten "Botschaften" machen gerade diese Bilderbücher zu vielsagenden Medien einer Kultur, die aus heutiger Sicht freilich auch schon "fern" wirkt (und dennoch so viel nie Verarbeitetes in sich trägt). Deshalb kommt diesem Katalog mit seinem durch Jahre zusammengetragenen Material, eine besondere Bedeutung zu. Denn die Bilderbücher der unmittelbaren Nachkriegszeit, bis in die späten 1950er Jahre, blieben bis heute bei vielen Sammlern eher gering geachtet.

Die Gründe für dieses auffallende Degagement sind vielfältig; ebenso könnte aber ja auch ein neues Interesse an diesen kleinen Kulturgütern aus vielfältigen Gründen wachsen. "Zwischen Trümmern und Wohlstand" – der Titel ist aus einer der bislang wenigen theoretischen Auseinandersetzungen mit dem Thema entlehnt (Klaus Doderer, M. Hussong, P. Jäschke und W. Kaminski: "Zwischen Trümmern und Wohlstand. Literatur der Jugend 1945-1960", 1994 bei Beltz; hier häufig für die Kommentare im Katalog benutzt), einer Arbeit, die sich allerdings hauptsächlich der literarischen, weniger der illustrativen Seite des Themas widmete.

Geisenheyners Katalog aber zeigt eben auch die Bilderwelt jener Kinderbuch-Ära (in kluger Auswahl der Abbildungen) und erschließt damit noch einen ganz anderen, vielfältigen und bezeichnenden Blick, der eben jene "Beobachtungen" Bodes (über Fortsetzungen der Illustrationstradition, über Neuanfänge, über graphische Techniken und Stile etc.) nachvollziehbar macht. Dazu kommen die sorgfältigen Kommentare und Hinweise, sowie die Register (besonders auch Verlage; gerade hier so wichtig), die diesen Katalog zu einem überaus informativen Lesebuch machen.

Einziger Mangel in diesem Zusammenhang: Man würde gern eine abschließende Bibliografie finden, die die (ohnedies nicht zahlreichen) Titel der vorhandenen und zitierten Referenzliteratur zusammenstellt. Dieser Mangel mag durch die hohen Herstellungskosten und damit einem Umfanglimit erklärbar sein: denn der Katalog vereint ja ein Angebot, das – weil es eben noch so wenig populär ist – mit zumeist sehr moderaten Preisen daherkommt. (Dabei können nicht wenige der hier versammelten Kinderbücher als ausgesprochen "selten" gelten.) Das bedeutet aber: in Hinkunft werden auch die Sammler dafür sorgen müssen, dass die Bedeutung dieser Bücher erkannt wird. Der Geisenheyner-Katalog wird ihnen dabei wirkungsvoll helfen.

Antiquariat Winfried Geisenheyner - Zwischen Trümmern und Wohlstand. Kinder- und Bilderbücher 1945 bis 1960. Mit einer Einleitung von Dr. Andreas Bode. Katalog 80. Herbst 2012.

(Also published on the website of the German Antiquarian Booksellers' Association, VDA.)

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